Im Land der weißen Hosen – wandern im Zittauer Gebirge

Weiße Hosen zum Wandern sind der letzte Schrei, so scheint es. Zumindest im Zittauer Gebirge. Nirgends konnte ich bisher eine derart hohe Dichte an Wanderern mit langen weißen Hosen beobachten wie am letzten Wochenende in diesem wechselhaften August 2015 im hübschen Mittelgebirge im südöstlichsten Zipfel der Republik.

Nach kurzweiliger Anreise steuern wir unseren Fernwehbus ohne vorherige Anmeldung am frühen Freitagabend auf den Camping-Bauernhof der Familie Sell in Saalendorf. Es riecht wunderbar nach Kuhstall, eine frische Brise durchrauscht die Haselsträucher und großen Pappeln, die den Hof säumen. Die Hofhunde liegen unter einem schwarzen Pickup und blinzeln aufmerksam, aber träge. In der Waschküche finde ich die Bäuerin, die mit ihren langen, himmelblauen Gummihandschuhen in Richtung Wald deutet und in seltsamem Akzent auffordert, uns einfach irgendwo ein Plätzchen zu suchen. So liebe ich das: keine Verhandlungen, keine Ausweiskopien und keine Formulare, sondern einfach einen schönen Platz aussuchen. Sofort bin ich angekommen.

Angekommen! Zittauer Gebirge - Camping Sell Saalendorf

Angekommen!

Frische Kuhmilch gibt es am Morgen aus dem Automaten vor der Tür, die Brötchen liegen in liebevoll beschrifteten Körbchen auf dem Tisch im Hofladen. Verführerische Räucherwürste und die Abwesenheit der Bäuerin lassen mich in Gedanken kurz zum Dieb werden, doch ich kann widerstehen.

Zum höchsten Gipfel

Direkt vom Campingplatz aus geht es Richting Lausche, der höchste Gipfel im Zittauer Gebirge, wie wir später erst erfahren. Herrliche Stille umgibt uns auf dem schmalen, fast zugewachsenen Waldweg, bis wir an der Rübezahlbaude aus dem Wald treten. Wo eine Straße zu einer schönen Aussicht führt, kommen viele Autos und wo viele Autos sind, sind viele Menschen. Aber sind das hier alles Krankenpfleger und -schwestern, oder warum tragen alle weiße Hosen? Vielleicht irgendeine Glaubensgemeinschaft oder sowas. Egal. Wir genießen die erste Aussicht und norden zum ersten Mal die Karte ein. Wir sind „drin“.

Zittauer Gebirge - auf dem Lauschegipfel

Zittauer Gebirge – auf dem Lauschegipfel

Der Lauschegipfel selbst ist keine Schönheit, ein paar Mauerreste auf der einen und ein großer Antennenmast auf der anderen Seite. Doch wir sind ja wegen der Aussicht gekommen – und die Aussicht ist grandios, auch wenn der Tag etwas diesig ist und die Hitze drückt.

Ein älteres Paar mit weißen Hosen und eine Familie sind am Gipfel, später kommen ein paar Radfahrer keuchend hinzu. „Die Weißhosen gehören sicher zu dem Trupp von der Rübezahlbaude“ denke ich so leise bei mir, während ich die zum Wandern obligatorischen kandierten Erdnüsse in den Mund stecke.

Wieder an der Grenzstation vorbei geht es dem Grenzverlauf zu Tschechien folgend ein paar Kilometer bis XXX. Unterwegs versuchen wir die tschechischen Schilder zu lesen. Sicher hätte jeder Tscheche einen Heidenspaß daran gehabt, wie wir unsere Zungen verknoten.

Das Wetter meint es überaus gut mit uns, jeder kleine Anstieg treibt uns das Wasser auf die Stirn. Bella hat schon wieder gut und gerne die doppelte Strecke hinter sich. Deutsch-tschechische Grenzsteine riechen anscheinend lecker.

Normalerweise benutzen wir ja Landkarten mit größerem Maßstab, deshalb kommt es uns mit der 1:10.000 Topo-Karte manchmal so vor, als würden wir in einem etwas zu groß geratenen Miniaturenmuseum wandern.

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